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Der Begriff „Firma in Bulgarien gründen“ tauchte in den letzten Jahren immer häufiger in Unternehmerkreisen auf, meistens in Verbindung mit drei Punkten: EU-Mitgliedschaft, vergleichsweise niedrige Steuern und eine klare Unternehmensstruktur (insbesondere über die EOOD).
In der Praxis wird Bulgarien nicht deshalb attraktiv, weil es „billig“ ist, sondern weil es planbar sein kann. Wer ein internationales Geschäftsmodell hat, will keine grauen Zonen, sondern saubere Regeln. Und genau dort entscheidet sich, ob Bulgarien eine echte Lösung ist oder nur ein weiteres Experiment.
Meine Ausgangslage war typisch für digitale Unternehmer: internationale Kunden, ortsunabhängige Leistungserbringung, starke Schwankungen im Cashflow und eine Steuerlast, die nicht zur Realität eines modernen Online-Geschäfts passte. Ich wollte nicht „Steuern drücken um jeden Preis“, sondern verstehen, wie man eine Struktur baut, die rechtlich sauber ist und langfristig funktioniert.
Entscheidend war die Frage: Wie kann ich meine Tätigkeit so strukturieren, dass sie zu meiner Lebensrealität passt? Genau an diesem Punkt trennt sich „Bauchgefühl-Auswandern“ von echter unternehmerischer Planung.
Online gibt es viele Meinungen, aber nicht alle sind wirklich hilfreich. Bei meiner Recherche bin ich auf drei typische Extreme gestoßen: erstens aggressive Versprechen („0% Steuern“), zweitens verharmlosende Aussagen („Bulgarien ist eh einfach“), und drittens Foren-Halbwissen („mach einfach eine EOOD, dann ist alles safe“).
Die Realität ist differenzierter: Bulgarien funktioniert sehr gut, wenn du Substanz aufbaust, die Buchhaltung korrekt läuft und du deine steuerliche Ansässigkeit nicht ignorierst. Wer denkt, man könne alles mit einem Firmenregistereintrag lösen, wird früher oder später Probleme bekommen. Diese treten oft nicht in Bulgarien auf, sondern meist im Heimatland.
Die EOOD ist das bulgarische Pendant zur Ein-Personen-GmbH. In der Praxis ist sie die Standardlösung für Freelancer, Berater, Agenturen und Solo-Gründer, weil sie klare Haftung, schlanke Verwaltung und eine sehr eindeutige Struktur bietet.
Die OOD ist die Mehrpersonen-Variante. Steuerlich ist sie in der Regel nicht „besser“ als die EOOD, aber sie macht Sinn, wenn mehrere Gesellschafter beteiligt sind oder Beteiligungsquoten, Governance und Entscheidungen sauber geregelt werden müssen.
Der Gründungsprozess ist weniger dramatisch als viele denken. Entscheidend ist nicht, ob man „schnell“ gründet, sondern ob der Prozess ordentlich dokumentiert ist. Dazu gehören Firmensitz, Tätigkeit, Verträge und die spätere Buchhaltung. In der Regel umfasst der Ablauf: Wahl der Rechtsform, Gründungsdokumente, Eintrag ins Handelsregister, steuerliche Registrierung, Geschäftskonto sowie Buchhaltungsanbindung.
Die meisten negativen Erfahrungen mit einer Firma in Bulgarien entstehen nicht durch Bulgarien selbst, sondern durch schwache Buchhaltung. Viele Gründer unterschätzen, wie wichtig es ist, dass Belege, Leistungsnachweise, Verträge und Zahlungsströme passen zu einer stimmigen Geschichte.
Ein guter bulgarischer Steuerberater oder Buchhalter arbeitet nicht nur „mit Belegen“, sondern stellt zuerst Fragen: Wo sitzt der Kunde? Wo wird die Leistung erbracht? Wie ist die persönliche Situation des Unternehmers? Wie werden Gewinne ausgeschüttet? Genau hier entscheidet sich, ob du dauerhaft ruhig schlafen kannst.
Bulgarien ist bekannt für ein vergleichsweise klares System. Häufig genannt werden: 10 % Körperschaftsteuer und 5 % Dividendensteuer. In der Praxis sind diese Werte nur dann wirklich vorteilhaft, wenn der Rest stimmt: steuerliche Ansässigkeit, korrekte Rechnungsstellung, richtige Umsatzsteuerbehandlung und eine belastbare Buchhaltung.
Ein vereinfachtes Beispiel: Wenn ein Unternehmen 100.000 EUR Gewinn erzielt, werden darauf in Bulgarien in der Regel 10 % Körperschaftsteuer fällig. wird danach ausgeschüttet, fallen typischerweise 5 % Dividendensteuer an. Das liegt oft deutlich unter der Belastung in DACH, aber das gilt nur, wenn nicht parallel im Heimatland eine gegenteilige Einstufung oder Doppelbesteuerung entsteht.
Einer der häufigsten Irrtümer lautet: „Wenn ich eine Firma in Bulgarien gründe, bin ich automatisch dort steuerlich ansässig.“ Das ist falsch. Eine Firma ist eine Sache – die persönliche Steueransässigkeit eine andere. Man kann eine bulgarische Firma führen, ohne in Bulgarien zu leben. Gleichzeitig kann das Heimatland (je nach Lebensumständen) weiterhin einen Besteuerungsanspruch haben.
Das ist kein spezielles Problem von Bulgarien, sondern etwas, das man gut planen sollte. Wer das ignoriert, bekommt später Konflikte, oft nicht in Bulgarien, sondern dort, wo der Lebensmittelpunkt tatsächlich liegt.
In der Praxis wiederholen sich dieselben Fehler. Viele Gründer fokussieren sich ausschließlich auf „niedrige Steuern“ und vergessen, dass steuerliche Vorteile immer an Struktur, Timing und Dokumentation abhängen. Ein weiterer Klassiker: Der günstigste Anbieter wird gewählt, ohne zu prüfen, ob dieser internationale Fälle wirklich beherrscht.
Auch kritisch: Umsatzsteuer (VAT) wird unterschätzt, private und geschäftliche Zahlungen werden vermischt, oder es gibt keine klare Story, wie das Unternehmen tatsächlich arbeitet. Das führt selten sofort zu Problemen, aber spätestens bei Wachstum, Bankthemen oder Prüfungen.
Besonders positiv sind die Erfahrungen bei Unternehmern, deren Geschäftsmodell ortsunabhängig ist: Berater, Agenturen, digitale Dienstleistungen, Software/IT, Online-Marketing, Coaching, internationale B2B-Services. Wer saubere Rechnungen schreibt, die Buchhaltung im Griff hat und die persönliche Situation realistisch plant, kann Bulgarien als stabile EU-Basis nutzen.
Viele unterschätzen zudem den Faktor Planbarkeit: Ein klarer Steuersatz, überschaubare Verwaltung und ein transparentes System können für Unternehmer wertvoller sein als „die letzte Prozentoptimierung“.
Weniger geeignet ist Bulgarien, wenn das Geschäft rein lokal im Heimatland läuft, wenn die Tätigkeit stark reguliert ist oder wenn jemand eine „Briefkastenlösung“ sucht. Wer weder Disziplin bei der Belegung noch Bereitschaft zur sauberen Dokumentation hat, wird langfristig Schwierigkeiten bekommen. Bulgarien ist kein Steuerparadies. Es ist ein EU-Land mit klaren Regeln, und genau das ist der Vorteil.
Langfristig zeigt sich: Wenn die Struktur sauber aufgesetzt ist, laufen bulgarische Firmen sehr stabil. Die größten Vorteile sind nicht nur die Steuerwerte, sondern auch, dass viele Abläufe standardisiert sind, wenn man sich professionell begleiten lässt und die Buchhaltung ernst nimmt. Wer „sauber arbeitet“, hat weniger Überraschungen als in komplexen Systemen mit häufigen Sonderregeln.
Ein grober Vergleich zeigt, warum Bulgarien für manche Unternehmer attraktiv ist: Dort sind die Steuersätze oft deutlich niedriger als im DACH-Raum. Gleichzeitig ist Bulgarien EU-Mitglied, was für viele Geschäftsmodelle im Handel, in der Dienstleistung und in Bezug auf Rechtssicherheit relevant ist. Der entscheidende Punkt bleibt aber: Nicht „Bulgarien vs. Deutschland“, sondern dein Setup vs. deine Realität.
Aus meiner Sicht war eine Firma in Bulgarien zu gründen keine Abkürzung, sondern eine bewusste unternehmerische Entscheidung. Bulgarien kann ein sehr guter Standort sein, aber nur, wenn man die Regeln beachtet und die Buchhaltung professionell organisiert und die persönliche Steueransässigkeit nicht wegdiskutiert.
Wenn ich die Erfahrung in einem Satz zusammenfassen müsste: Bulgarien ist nicht das Entscheidende, sondern die saubere Struktur macht den Unterschied.
In vielen Fällen ist das nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist jedoch, dass die Struktur zur Realität passt und die steuerliche Ansässigkeit korrekt betrachtet wird. Eine Firma ersetzt keine persönliche Steuerplanung.
In der Praxis ist es meist keine „Bulgarien-Sache“, sondern eine Frage schwacher Buchhaltung, falscher Umsatzsteuerbehandlung, fehlender Dokumentation oder unrealistischer Annahmen zur steuerlichen Ansässigkeit.
Für Solo-Gründer ist die EOOD meistens die beste Wahl. Die OOD ergibt Sinn, wenn mehrere Gesellschafter beteiligt sind. Steuerlich sind beide häufig ähnlich, der Unterschied liegt vor allem in der Ownership und der Verwaltung.
Inge
Veröffentlicht am 10 Januar, 2026 / Antworten
Macht Sinn macht Sinn. Ich freue euch am Besten mal telefonisch an liebes GO EU Team.
Dietrich
Veröffentlicht am 11 Januar, 2026 / Antworten
Augenöffner der Bericht. War genau das was ich gebraucht habe zu meinen Auswanderer Plänen. Mashallah
Thomas Hofmann
Veröffentlicht am 11 Januar, 2026 / Antworten
Danke Dietrich das es Dir gefällt. Melde Dich bei weiteren Fragen gerne bei uns
Tim
Veröffentlicht am 11 Januar, 2026 / Antworten
Ich werds machen! Komme auch auf euch zu nicht sehr zeitnah
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